„Scheißfragen“

Toni Kroos wähnt sich bei „Wünsch-Dir-Was“ und macht den Mertesacker.

Das Champions-League-Finale 2022 gewonnen, und dann auf dem falschen Fuß erwischt? Der Abbruch des Interviews mit ZDF-Reporter Nils Kaben nach dem Sieg polarisiert.

Team Kroos meint: Der Fußballer hat offenbar andere Fragen erwartet, keine kritischen zum zeitweise anstrengenden Kampf gegen Liverpool. Team Kroos meint auch, der Toni darf das, das sei nun mal ehrlich und gerade heraus. „Du hattest 90 Minuten, dir vernünftige Fragen zu überlegen, und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen“, hatte er zu ZDF-Reporter Nils Kaben gesagt. Und war weggegangen. Abbruch nach etwas mehr als einer Minute.

Team Kaben meint: Da muss einer wie Kroos einfach durch. Es gab ja die Glückwünsche, es gab die Frage nach den Gefühlen im Moment. Und dann darf ein Reporter auch nach den schwierigen Minuten im Spiel fragen. Team Kaben meint auch: Der Fußballreporter wird ja nicht von Real Madrid bezahlt, sondern vom ZDF und somit vom Gebührenzahler. Reine Euphorie und Lobeshymnen wären bei dem Spielverlauf nicht angemessen gewesen.

Immer mal wieder kommt es zu solchen Szenen am Spielfeldrand. Per Mertesacker zum Beispiel während der WM 2014 nach dem Spiel gegen Algerien. Auch er blaffte den Reporter an: „Was woll’n Sie jetzt von mir, was woll’n Sie?“ und „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist irgendwie ne Karnevalstruppe?“ Genervt, herablassend, arrogant.

Team Prüfig meint: Das muss echt nicht sein. Die Reporterinnen und Reporter machen ihren Job genau richtig, wenn sie auch kritische Fragen stellen. Das nennt man Journalismus. PR ist eine andere Disziplin, die ist näher an „Wünsch-Dir-Was“. Und wenn ich mich als Fußballer vor das Mikrofon stelle, dann kann ich doch wunderbar meine Sicht der Dinge formulieren. Ein Fußballer kann auf eine kritische Frage zum Beispiel sagen: „Das sehe ich ganz anders…“ oder „Habe ich nicht so erlebt, ich fand…“. Oder mindestens mal: „Ach, die kritischen Phasen im Spiel, die schauen wir uns später noch an. Jetzt wird erstmal gefeiert…“

Mein Fazit also für Fußballer wie Nicht-Fußballer:

Jede Frage ist eine Chance. Auf gute Kommunikation ebenso wie auf arrogantes Gehabe. Ich rate übrigens zu Ersterem. 😊