Über Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), den Chef einer „langweiligen Ampel“, der am 22. März zur Wiederwahl antritt
Vorweg: mit wem haben wir es hier zu tun?
Alexander Schweitzer, 52, Jahre alt. Oasis-Fan. Führerschein auf Anhieb geschafft. Humor in homöopathischer Dosis. Noch nie eine Rede mit Chat GPT geschrieben. Körpergröße 2,06 Meter. Okay, das letzte erfahre ich nicht aus der Sendung, sondern von Google. Denn in der Sendung sieht er kleiner aus.
Die Sendung: „Politik Backstage“ vom SWR. 20 Minuten auf Technik-Kisten sitzend mit zwei Interviewern. Mal schnelle Ja-Nein-Fragen, mal tiefergehende Interview-Passagen.
Im Grunde sieht der amtierende Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (SPD) nirgendwo wie ein Zwei-Meter-Null-Sechs-Mann aus. Und das ist als Kompliment gemeint. Weder beugt er sich vor, um kleiner zu wirken, noch schaut er von oben herab auf sein Gegenüber. Er sitzt ideal auf den Studio-Kisten. Das muss man erstmal schaffen. Guter Blickkontakt – buchstäblich auf Augenhöhe.
Schweitzer freut sich, dass er bereits seit 10 Jahren Teil einer „langweiligen Ampelkoalition“ im Land ist. Langweilig ist für ihn gleichbedeutend mit sachorientiert, ergebnisorientiert, kein lauter Streit über die Medien, sondern Auseinandersetzung innerhalb der Dreier-Konstellation. Ein Satz, der zumindest leise nachhallt: „Ich baue an Lösungen auf Grundlage von Kompromissen.“ Das klingt vernünftig, geerdet, unaufgeregt.
Und so wirkt er auch über die gesamten 20 Minuten hinweg, durch alle Themen hindurch, der „Titelverteidiger“ bei der kommenden Landtagswahl. Empathisch, nahbar, freundlich. Auf jede Frage eine Antwort, die den Ball eher flach hält, als zu kämpferisch zu klingen.
Unter dem Aspekt wertschätzender Kommunikation hat er 9,5 von 10 Punkten. Eine Attacke auf das CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium erklärt die fehlenden 0,5 Punkte. Wobei er auch da eher in der Sache Widerstand leistet und nicht etwa die Ministerin schlecht macht.
Ob das politisch reicht, wird an der Wahlurne entschieden. Kommunikativ hätte es gern etwas mehr sein dürfen. Drei Punkte, die Schweitzer besser machen kann:
- Mehr Sprechenergie, mehr Kieferöffnung. Schweitzer bekommt die Zähne nur auseinander, wenn er lächelt. Ansonsten ist der Mund beim Sprechen nur minimal geöffnet. Das lässt ihn monoton klingen. Er wirkt fester, verbissener als nötig. Und – ja – auch ein bisschen langweilig. Kieferöffnung („Jaw Dancing“) ist ein Kompetenzsignal. Das sollte er nutzen.
- Der SPD-Spitzenkandidat wird im Laufe des Interviews immer schneller. Das nimmt ihm zusätzlich die Möglichkeit, ausdruckstark zu sprechen und gut zu betonen. Zusammen mit dem fehlenden „Jaw Dancing“ eine verpasste Chance.
- „Also, zunächst mal“ ist sein favorisierter Einstieg nach jeder zweiten Frage. Für die Interviewer eigentlich ein Warnsignal: Hier schweift jemand ab und beantwortet die Frage nicht. Für Schweitzer vermutlich auch Zeitgewinn. In dieser Häufung irgendwann nervig. Ich rate zu einem kleinen Repertoire aus anderen Formulierungen wie z.B. „Ich verstehe, dass die Menschen das beschäftigt und dass Sie das hier ansprechen.“ Oder: „Sie sprechen da einen sehr wichtigen Punkt an, den wir im Kabinett immer wieder diskutieren, und den ich als Ministerpräsident absolut im Fokus habe…“
Weiterer Optimierungsbedarf: Auf LinkedIn hat Schweitzer zwar einen eigenen Account. Er bespielt ihn jedoch nahezu nur mit Reposts anderer. Etwas mehr Mut und mehr Sendungsbewusstsein würden ihm guttun.ort exklusiv im Februar.








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