Sven Schulze, CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, ist zu Gast bei Markus Lanz. Nach 40 Minuten Frage-Antwort-Unterbrechungsspiel überwiegt der Eindruck: Hier hat jeder Gast seine Redeanteile und eine Meinung. Bis auf einen.
In den Monaten vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist Ministerpräsident Sven Schulze auf vielen Kanälen zu sehen. Er war zu Gast bei Welt TV, in den Tagesthemen, bei Bild TV, bei Hart aber fair. Schulze gibt hier oft den moderaten, nahbaren Landesvater, wird inhaltlich kaum konkret, macht aber vieles in seiner Redezeit richtig.
Nicht so am 7. Juli 2026. Im ZDF bei Markus Lanz sitzt ein Ministerpräsident zwei Monate vor der vielbeachteten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – und dringt nicht durch. Von den vier Anwesenden hat er (gefühlt) die kürzeste Redezeit. Kaum einen Gedanken bringt er entschlossen zu Ende. Markus Lanz in gewohnter Manier unterbricht und unterbricht und unterbricht – und Sven Schulze lässt es zu, lässt es zu und lässt es zu.
Was läuft hier schief? Was prägt diesen TV-Auftritt eines durchaus erfahrenen Politikers? Ein Politiker, der gegen eine AfD mit mehr als 40% Zuspruch in den Umfragen eigentlich alles in die Waagschale werfen müsste: Kampfgeist, Entschlossenheit, klare Botschaften.
- Fehlende körperliche Präsenz: Im Gegensatz zu den anderen Gästen und im Gegensatz zu Markus Lanz sitzt Schulze weitgehend nach vorne gebeugt. Wenn das Zugewandtheit transportieren soll, dann geht es hier schief. Schulze macht sich damit klein. Er wirkt, als wolle er sich wegducken. Die Sitzmöbel erlauben eine aufrechte, ruhige Haltung. Warum nutzt er das nicht?
- Fehlende Entschlossenheit, sich Redeanteile zu verschaffen: Schulze ist über weite Strecken in dieser Sendung ein Getriebener. Lanz grätscht ihm in fast jede Antwort hinein. Treibt ihn vor sich her. Setzt neue Themen, bevor die vorherige Frage auch nur annähernd beantwortet ist.
- Fehlende Botschaften: Es gibt sie, die Momente, in denen Schulze in ganzen Sätzen eine Botschaft formulieren „darf“. Zwei, drei Beispiele bringt er für die engere Vernetzung von Schule und Wirtschaft. Die klingen gut, sind interessant und engagiert erzählt.
- Aber zwei, drei Beispiele für eine Sendung von 40 Minuten sind einfach zu wenig. Der frühere Wirtschafts- und Agrarminister des Landes verzettelt sich im Klein-Klein. Eine Vision für Sachsen-Anhalt – Fehlanzeige. Sachsen-Anhalt im Jahr 2030 – nebulös. Anreize für Zuwanderung ins Land statt Abwanderung – Null.
- Der Elefant im Raum, pardon im Studio, ist die AfD. Mit ihr setzt sich Schulze so gut es geht auseinander. Daran ist nichts falsch, außer die Gewichtung. Wo ist die eigene Vision mit CDU-Prägung, wo sind nach vorne gerichtete Botschaften? Und vor allem: Wo ist ein Spitzenkandidat, der für seine Partei engagiert kämpft und überzeugt?
- Das Format Markus Lanz – so scheint es – war für den Wahlkämpfer Sven Schulze eine Nummer zu groß.








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